Island im Winter: Unsere erste Reise mit Reykjavík & Nordlichtern
Island im Winter – Schnee, Wasserfälle und zum ersten Mal Nordlichter über uns. Unsere erste Islandreise hatte gleich einiges zu bieten. Von Reykjavík aus ging es für uns zur Blue Lagoon, an die Südküste und zum Golden Circle. Dazwischen blieb Zeit für Spaziergänge, kleine Cafés und eine ziemlich gute Suppe im Brot.
Ganz ohne Planänderung lief der Kurztrip allerdings nicht. Schon bei der Ankunft machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Dafür wurden wir später mit einem Abend belohnt, den ich so schnell nicht vergessen werde. In diesem Reisebericht nehmen wir euch mit zu den Orten und Erlebnissen unserer ersten Reise auf die Insel.
Dieser Bericht bündelt unsere ursprünglich 2015 veröffentlichten Reiseartikel. Er beschreibt unsere damaligen Erlebnisse im Februar. Genannte Preise, Hotels, Touren und Flugleistungen beziehen sich auf diese Reise.
Ankommen in Island: Reykjavík als Ausgangspunkt
Eigentlich hatten wir alles organisiert. Der Flybus Plus war gebucht und sollte uns vom Flughafen Keflavík bis zum Hotel bringen. Unser Flug hatte jedoch mehr als zweieinhalb Stunden Verspätung. Da am Abend bereits die Nordlichttour anstand, entschieden wir uns spontan für ein Taxi.
Kaum saßen wir im Wagen, kam die E-Mail: Die Tour musste wegen des Wetters verschoben werden. Warum konnte die Nachricht nicht eine Viertelstunde früher kommen? Da waren wir nun unterwegs, und das Taxameter lief. Nach ungefähr 45 Minuten standen wir vor dem Hotel – entspannt, aber damals rund 100 Euro ärmer. Für uns war das eine unnötig teure Abkürzung.
Unser damaliges Best Western Hotel Reykjavík lag nur wenige Gehminuten von der Einkaufsstraße entfernt. Das Zimmer war klein, hatte aber alles, was wir brauchten. Viel Zeit wollten wir hier ohnehin nicht verbringen. Schnell einchecken, frisch machen und raus in die Stadt. Mehr zu unserer Unterkunft findet ihr im Hotelbericht zum Fosshotel Rauðará.


Reykjavík im Winter: Spaziergänge, Cafés und Suppe im Brot
Reykjavík gefiel uns vor allem beim Herumlaufen. Kleine Geschäfte, bunte Häuser und dazwischen immer wieder ein Café zum Aufwärmen. Wie angenehm so eine Pause sein kann, merkten wir spätestens am Wasser. Dort pfiff der Wind ordentlich, und der Schnee kam uns direkt entgegen.






An der Uferpromenade schauten wir uns auch die Konzerthalle Harpa an. Die moderne Architektur war für meinen Geschmack zunächst ein ziemlicher Kontrast zur übrigen Stadt. Interessant war der Bau trotzdem. Lange hielten wir es bei dem Wind nicht am Wasser aus und zogen lieber wieder in die geschützteren Straßen.
Rund um die Laugavegur stöberten wir durch kleine Läden mit Kleidung, Dekoration und Souvenirs. Besonders hängen geblieben ist mir ein Weihnachtsgeschäft. Mitten im Februar Weihnachtsstimmung, dazu ein Briefkasten für Post an den Weihnachtsmann – das hatte schon etwas. Die Hallgrímskirkja sahen wir bei unseren Spaziergängen aus der Ferne. Auf dem Turm waren wir bei dieser Reise nicht.
Im Café Paris gab es anschließend Kaffee und Kuchen. Es war gut besucht, trotzdem wurden wir schnell und freundlich bedient. Genau die richtige Unterbrechung, bevor es wieder nach draußen ging. Einen Abend ließen wir außerdem gemütlich in einem Pub ausklingen.
Unser kulinarischer Favorit war die Suppe im Brot bei Svarta Kaffið. Damals standen zwei Suppen zur Auswahl, serviert in einem ausgehöhlten Brot. Dazu ein Gull-Bier, und wir waren zufrieden. Nach einem kalten Spaziergang braucht es manchmal gar nicht viel mehr.
Blue Lagoon: warmes Wasser und Schneeflocken
Nach einem ruhigen Vormittag in Reykjavík ging es mit dem Bus zur Blue Lagoon. Den Eintritt hatten wir vorab gebucht. Unser damaliges Premium-Paket enthielt unter anderem Handtuch, Bademantel, Badeschlappen und ein Getränk. Welche Pakete heute angeboten werden, lässt sich daraus natürlich nicht ableiten.
Zunächst mussten wir uns durch die großen Umkleidebereiche finden. Wir kamen getrennt heraus und suchten uns erst einmal gegenseitig. Als wir schließlich beide im Wasser waren, war die kleine Suchaktion aber schnell vergessen.
Draußen lag Schnee, über dem Wasser stieg Dampf auf und wir saßen im angenehm warmen Becken. Währenddessen fielen Schneeflocken. Genau dieser Gegensatz machte den Besuch für uns besonders. An der Bar im Wasser holten wir uns einen Smoothie und ließen uns anschließend einfach treiben.
Zum Paket gehörte damals auch eine Restaurantreservierung. Im Bademantel am Tisch zu sitzen, fühlte sich zunächst etwas merkwürdig an. Salat und Suppe schmeckten gut, die Portionen waren für den Preis allerdings eher überschaubar. Da wir für den Abend ohnehin noch einen Tisch reserviert hatten, war das für uns in Ordnung.
Danach ging es noch einmal zurück ins Wasser, inklusive der typischen Gesichtsmaske. Gegen 16 Uhr nahmen wir den Bus zurück nach Reykjavík. Für uns war die Blue Lagoon eine sehr entspannte Pause zwischen den Ausflügen. Gerade im Winter blieb uns dieser Besuch besonders in Erinnerung.







Unsere ersten Nordlichter in Island
Die verschobene Nordlichttour konnten wir zum Glück nachholen. Gebucht hatten wir die Fahrt mit Volcano Tours über GetYourGuide. Unser Guide Clint holte uns gegen 20:30 Uhr mit dem Jeep ab. Beim Verlassen von Reykjavík schneite es noch, und ich fragte mich ehrlich gesagt, ob das an diesem Abend etwas werden würde.
Ungefähr eine halbe Stunde später sah die Welt ganz anders aus. Der Himmel war klar und voller Sterne. Wir waren im Gebiet bei Grindavík und der Blue Lagoon unterwegs und stellten die Kamera auf. Stativ und Fernauslöser hatte ich dabei, bei den Einstellungen half uns Clint.
Zunächst war am Himmel nur ein heller Streifen zu erkennen. Mit bloßem Auge sah er fast wie ein dünner Kondensstreifen aus. Auf dem Kamerabild leuchtete er plötzlich grün. Ich fotografierte damals mit einer Canon 1000D und probierte unter anderem ISO 800 und 30 Sekunden Belichtungszeit aus. Das waren unsere ersten Versuche, keine Universaleinstellung für jede Nordlichtnacht. Was ich seitdem dazugelernt habe, findet ihr in meinem Artikel Nordlichter fotografieren: Kameraeinstellungen und Tipps für Anfänger.














Später wurden die Nordlichter auch mit bloßem Auge deutlich sichtbar. Sie bewegten sich über uns, veränderten ihre Form und wurden immer wieder heller. Meine Frau entdeckte zusätzlich eine Sternschnuppe. Ich wusste irgendwann gar nicht mehr, ob ich fotografieren oder einfach nur nach oben schauen sollte.
Rund zweieinhalb Stunden verbrachten wir draußen. Bei etwa minus sechs Grad tat der heiße Kakao mit Marshmallows zwischendurch richtig gut. Clint erzählte uns Geschichten, während wir auf die nächsten Bewegungen am Himmel warteten. Und dann ging es wieder los.
Die Tour war mein Geburtstagsgeschenk. Besser hätte dieser Abend für mich kaum laufen können. Selbst mit dem damaligen iPhone 6 und der App NightCap Pro gelangen ein paar Erinnerungsbilder. Die Kamera hatte bei den Details natürlich die Nase vorn, aber das Wichtigste war ohnehin der Moment vor Ort.
Unsere erste Absage zeigte uns gleichzeitig, dass sich so ein Erlebnis nicht fest in den Reiseplan pressen lässt. Ich würde eine Nordlichttour deshalb möglichst früh während eines Aufenthalts einplanen, damit noch Spielraum bleibt. Worauf ihr bei Wetter, Standort und Vorhersagen achten könnt, erkläre ich in meinen Tipps zur Sichtung der Nordlichter. Weitere Erfahrungen findet ihr in unserer Übersicht Nordlichter erleben – unsere Tipps und Reiseberichte.
Islands Südküste: Wasserfälle, Gletschereis und schwarzer Strand
Für unseren großen Ausflug holte uns Volcano Tours bereits gegen 8 Uhr ab. Nachdem noch ein weiterer Gast zugestiegen war, ging es von Reykjavík Richtung Südküste. Auf dem Programm standen außerdem die bekannten Stopps des Golden Circle. Eine volle Runde, wie sich später zeigen sollte.
Seljalandsfoss und Skógafoss
Den Anfang machte der Seljalandsfoss. Das Wasser fiel vor einer dunklen Felswand herunter, rundherum lagen Schnee und Eis. Schon hier hätten wir länger stehen und fotografieren können. Die winterliche Landschaft gab dem Wasserfall eine ganz eigene Wirkung.




Unterwegs hielten wir auch mit Blick auf den Eyjafjallajökull. Vor dem Berg lag ein Hof, dahinter die verschneite Landschaft. Anschließend wartete mit dem Skógafoss gleich der nächste beeindruckende Wasserfall auf uns. Hier spürte man die Kraft des Wassers besonders deutlich. Die Gischt gehörte zum Erlebnis dazu – und war für die Kamera weniger angenehm.





Am Sólheimajökull und an der rauen Küste
Weiter ging es zum Sólheimajökull. Wir liefen bis zu der Stelle, an der ein Sicherheitsschild den weiteren Weg begrenzte. Eine Gletscherwanderung machten wir nicht. Schon von dort beeindruckten uns die Eismassen und vor allem die blauen Stellen im Eis. Auf Fotos hatte ich so etwas natürlich schon gesehen. Davorzustehen war dann doch noch einmal etwas anderes.






Am schwarzen Sandstrand war der Kontrast besonders stark: dunkler Sand, weißer Schnee und davor die raue See. Es war kaum jemand dort. Die Wellen waren mächtig, und die Küste wirkte völlig anders als die Strände, die wir von anderen Reisen kannten. Ein Ort zum Schauen und Fotografieren.



Zum Essen hielten wir an einem Restaurant bei einer Tankstelle. Es gab frisch zubereitetes Fastfood – für die Pause unterwegs genau richtig. Bei der Gelegenheit probierten wir auch Schokolade mit Lakritz. Sagen wir mal so: Mein neuer Lieblingssnack wurde das nicht.
Golden Circle Island im Winter: Strokkur, Gullfoss und Þingvellir
Warten auf den Ausbruch am Strokkur
Im Geothermalgebiet stand für uns der Strokkur im Mittelpunkt. Kamera bereit, auf das Wasser schauen und warten. Besonders spannend fand ich den kurzen Moment, in dem sich die blaue Wasserkuppel bildete, bevor die Fontäne nach oben schoss. Natürlich war nicht jeder Fotoversuch perfekt. Also blieben wir noch für den nächsten Ausbruch stehen.











Dampf, Schnee und das heiße Wasser lagen hier direkt nebeneinander. Nach den Wasserfällen und dem Gletscher war das schon wieder eine ganz andere Seite der Insel. Genau diese Abwechslung machte den Ausflug für uns so interessant.
Gullfoss und die verschneite Landschaft von Þingvellir
Am Gullfoss ging es anschließend wieder um Wasser, allerdings in einer anderen Größenordnung. Über zwei Stufen stürzte es in die Schlucht. Mit Schnee und Eis an den Rändern wirkte der Wasserfall besonders eindrucksvoll. Auch hier war die Kamera entsprechend lange im Einsatz.



Auf der Weiterfahrt wurde Schnee über die Straße geweht. Es sah teilweise aus, als würde es heftig schneien, dabei wirbelte der Wind den bereits liegenden Schnee auf. Die Fahrt selbst gehörte damit genauso zu unseren Eindrücken wie die einzelnen Stopps.
Zum Abschluss besuchten wir Þingvellir. Die weite, verschneite Landschaft und die Felsformationen waren noch einmal ein schöner Gegenpol zum dampfenden Geysirgebiet. Für uns endete hier ein Ausflug mit erstaunlich vielen unterschiedlichen Eindrücken.






Nach ungefähr zwölf Stunden waren wir zurück. Ein langer Tag, der sich unterwegs erstaunlich kurz angefühlt hatte. Wir hatten viel gesehen, aber natürlich auch viel Zeit im Fahrzeug verbracht. Wer es entspannter mag und mehr Zeit hat, kann Südküste und Golden Circle auf getrennte Ausflüge verteilen. Unsere damalige Kombination war intensiv, für einen ersten Eindruck aber richtig schön.
Rückreise mit Icelandair: ein letztes Nordlicht in der Kabine
Für den Rückweg zum Flughafen nutzten wir dann tatsächlich unseren Flybus Plus. Am Vorabend meldeten wir die Abholung an der Hotelrezeption an. Gegen 4 Uhr morgens ging es mit einem kleinen Shuttle zum zentralen Bus und von dort weiter nach Keflavík. Die Fahrt zum Flughafen dauerte ungefähr 45 Minuten.
Gebucht hatten wir damals die Icelandair Economy Comfort. Vor dem Abflug konnten wir in die Saga Lounge und noch frühstücken. Besonders die warmen Backwaren kamen zu der Uhrzeit gut an. Viel Zeit blieb allerdings nicht. Die erwartete bevorzugte Abfertigung hatten wir auf unserer Reise weder in Frankfurt noch in Keflavík wirklich erlebt.
Im Flugzeug gab es dafür eine angenehme Überraschung: Auf diesem Flug saßen wir auf den breiteren Sitzen im vorderen Kabinenbereich. Das war unsere konkrete damalige Erfahrung und lässt sich nicht auf heutige Tarife oder jede Maschine übertragen.
Die Boeing 757-200 von Icelandair hatte außerdem eine Beleuchtung, die Nordlichter an der Kabinendecke nachbildete. Nach unseren echten Nordlichtern war das ein passender Abschluss. Beim Start konnten wir noch einmal Richtung Grindavík schauen. Danach gab es etwas zu essen, unter anderem einen kleinen Burger, bevor wir ein wenig Schlaf nachholten. In Frankfurt landeten wir pünktlich.











Unser Fazit zur ersten Islandreise im Winter
Die Reise begann mit Verspätung, einem teuren Taxi und einer abgesagten Tour. Trotzdem war am Ende genau das Gefühl da, das man sich von einem Urlaub wünscht: Wir wollten wiederkommen. Reykjavík als Ausgangspunkt funktionierte für uns gut, die Blue Lagoon brachte eine entspannte Pause, und auf den Ausflügen sahen wir in kurzer Zeit sehr unterschiedliche Landschaften.
Am stärksten geblieben sind mir die Nordlichter zum Geburtstag. Aber auch der schwarze Strand im Schnee, die blaue Kuppel des Strokkur und die gewaltigen Wasserfälle gehören zu dieser ersten Reise. Dazu die kleinen Dinge: Kaffee zum Aufwärmen, Suppe im Brot und der erste Spaziergang durch Reykjavík.
Wer zum ersten Mal nach Island reist, bekommt mit Reykjavík, Golden Circle und Südküste einen abwechslungsreichen Einstieg. Für eine Winterreise würde ich vor allem Luft im Programm lassen. Bei uns wurde aus der verschobenen Nordlichttour schließlich der schönste Abend des ganzen Aufenthalts. Weitere Erlebnisse und Anregungen für eure Reise findet ihr in unserer Island-Übersicht mit Reiseberichten und Tipps.





